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Prompt: “📖 Die Tränen der stillen Rose
🌑 Kapitel 1 – Wo das Licht nicht hinfällt
Im Königreich Elarien erzählte man sich, dass das Schloss aus Licht gebaut war. Dass seine Türme den Himmel berührten, dass seine Fenster wie Sterne glänzten und dass hinter seinen Mauern nur Schönheit, Anmut und Perfektion existierten. Die Menschen liebten diese Geschichte. Sie glaubten daran. Denn von außen war alles genau so. Goldene Dächer funkelten in der Morgensonne, Fahnen wehten ruhig im Wind, und die großen Tore standen offen für Händler, Adelige und Gäste aus fernen Ländern. Und im Zentrum all dessen—lebte die Prinzessin. So sagte man. Doch Geschichten hatten eine Eigenschaft: Sie zeigten nur das, was gesehen werden sollte. Nicht das, was verborgen lag. Nicht das, was still blieb. Nicht das, was im Schatten atmete. Weit entfernt von den glänzenden Sälen, hinter langen, leisen Fluren, gab es einen Teil des Schlosses, den kaum jemand erwähnte. Ein Ort ohne Gold, ohne Wärme, ohne Bedeutung. Dort begann Aliras Tag. Noch bevor die Sonne die Fenster erreichte, war sie wach. Nicht, weil sie wollte, sondern weil sie es musste. Das dünne Licht des Morgens kroch langsam über die Wände ihres kleinen Zimmers, blieb an der Tür stehen, als würde es zögern, weiterzugehen. Alira saß bereits aufrecht auf ihrem Bett, bewegungslos. Ihr weißes Haar fiel ruhig über ihre Schultern, ihre violetten Augen waren offen – aber leer, als hätte sie nie wirklich geschlafen. Für einen Moment war alles still. Kein Befehl, keine Stimme, keine Schritte. Nur dieser kurze, zerbrechliche Augenblick, in dem sie einfach nur existierte. Dann ein Klopfen. Hart. Ungeduldig. Die Tür wurde sofort geöffnet. „Du bist wach. Gut.“ Die Stimme war sachlich, kalt. Keine Begrüßung, keine Wärme. Alira stand sofort auf. „Ja.“ Mehr sagte sie nicht. Die Frau musterte sie kurz, dann drehte sie sich bereits um. „Beeil dich. Die Prinzessin wartet.“ Das Wort hing einen Moment in der Luft. Schwer. Falsch. Doch Alira reagierte nicht. Sie folgte. Wie immer. Die Flure wurden heller, je weiter sie gingen. Licht fiel durch hohe Fenster, spiegelte sich auf dem Boden, ließ alles lebendig wirken. Doch etwas daran fühlte sich fern an, als würde es nicht für sie existieren. Ein Diener kam ihnen entgegen. Sein Blick glitt über Alira, blieb kurz hängen—zu kurz für Mitgefühl, zu lang für Zufall—dann ging er weiter, als hätte er nichts gesehen. Eine Magd stellte einen Korb genau in ihren Weg. Alira wich aus. Ein leises Schmunzeln folgte ihr. Niemand sagte etwas. Niemand musste es. Hier funktionierte alles ohne Worte. Sie wusste, wo ihr Platz war. Und alle anderen auch. Die Tür zum großen Saal öffnete sich, und mit einem Schlag war alles anders. Licht, Stimmen, Lachen. Adelige in prächtigen Kleidern standen in kleinen Gruppen zusammen, hielten Gläser in den Händen, sprachen über Politik, über Macht—über Dinge, die Alira nie betreffen sollten. Musik spielte leise im Hintergrund. Und in der Mitte von allem stand Lilia. Strahlend. Perfekt. Als die Türen aufgingen, wandten sich einige Blicke—nicht zu Alira, nie zu ihr, immer nur zu Lilia. „Prinzessin“, sagte ein älterer Lord und verneigte sich tief, „Euer Anblick erhellt diesen Raum.“ Lilia lächelte warm, elegant, makellos. „Ihr seid zu gütig.“ Ihre Stimme war weich genug, um Herzen zu gewinnen. Dann—„Du.“ Ein einziges Wort, leise, und doch sofort spürbar. Aliras Körper spannte sich an. „Komm her.“ Sie trat vor, langsam. Jeder Schritt fühlte sich zu laut an, zu sichtbar. Die Gespräche im Raum ebbten leicht ab—nicht ganz, aber genug, dass man bemerkte, was geschah. Lilia musterte sie kurz, dann drehte sie sich zu den Adeligen. „Verzeiht“, sagte sie mit einem leichten Lächeln, „manchmal bringt der Haushalt… Unordnung mit sich.“ Ein leises Lachen ging durch die Runde. Leicht, amüsiert, harmlos—für sie. Nicht für Alira. „Du bist zu langsam“, fuhr Lilia fort, nun wieder an sie gerichtet, ihre Stimme ruhig, fast freundlich. „Knien.“ Der Befehl kam ohne Schärfe, ohne Zögern. Und genau deshalb widersprach niemand. Alira sank auf die Knie, mitten im Saal, auf dem kalten Marmorboden. Für einen Moment sagte niemand etwas. Dann ein Flüstern. „Wer ist das?“ „Nur eine Dienerin, nehme ich an…“ „Wie unangenehm…“ Alira hörte jedes Wort. Lilia trat einen Schritt näher. „Wenn man Fehler macht“, sagte sie ruhig und laut genug, dass es gehört wurde, „muss man daraus lernen.“ Sie legte leicht den Kopf schief. „Oder man erinnert sich zumindest daran, wo sein Platz ist.“ Einige der Adeligen nickten zustimmend, andere sahen weg, doch niemand griff ein. Niemand widersprach. Eine Dienerin trat nach vorne und stellte ein Tuch neben Alira ab. Eine einfache Aufgabe, und doch fühlte es sich an wie eine Vorführung, wie ein Beweis. Alira griff danach, ihre Hände zitterten leicht. Ein leises Lachen. Wieder. „Siehst du“, sagte Lilia sanft, „so schwer ist es doch nicht.“ Ihre roten Augen ruhten auf Alira, kalt, berechnend, zufrieden. „Steh auf.“ Alira gehorchte sofort. Natürlich tat sie das. Sie richtete sich langsam auf, hielt den Blick gesenkt. Doch für einen kurzen Moment hob sie die Augen und sah sie—die Adeligen. Einige wirkten amüsiert, andere gelangweilt, wieder andere sahen einfach weg. Und genau das war das Schlimmste. Nicht Lilia, nicht die Befehle, sondern dass niemand etwas dagegen tat. Als sich die Gespräche wieder normalisierten und die Musik lauter wurde, trat Alira einen Schritt zurück, dann noch einen, zurück in den Schatten, zurück an den Rand der Welt. Doch diesmal fühlte es sich anders an. Denn irgendwo tief in ihr regte sich etwas. Kein Mut, noch nicht. Aber auch nicht mehr nur Leere. Denn sie hatte es gesehen. Alle hatten es gesehen. Und trotzdem hatte niemand etwas gesagt. Und genau das würde sich eines Tages ändern. Denn Alira war kein Fehler. Sie war die wahre Prinzessin dieses Königreichs. Und eines Tages würde das Licht auch sie erreichen.
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Art Style: Soft Romance
Color Mode: Full Color
Panels: 3
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